Deutscher Vizemeister der Klasse F3P-B 2010

Florian Seybold hat den 2. Platz erreicht

Eine kleine Erfolgsgeschichte


Eigentlich ist Florian Seybold ein ganz normaler Jugendlicher, 16 Jahre alt, Gymnasiast und auf dem besten Weg, erwachsen zu werden. Wie viele in seinem Alter trifft er sich mit Freunden, hört gern Musik, sportelt. Wenn er denn dazu Zeit findet. Denn sein größtes Hobby sind Modellflugzeuge. Besonders die kleinen, extrem leichten, die man fast ausschließlich in Sporthallen fliegt, haben es ihm angetan. Man kann solche Flugzeuge im Laden oder im Internet kaufen, fertig, ohne viel Zeit und Hirschmalz zu verwenden. Die heutige Zeit macht es leicht. Doch Florian tickt anders. Er denkt und konstruiert lieber selbst. Jede freie Minute hockt er in Vaters Werkstatt und bastelt an seinen „Shockys“ und Leichtschaumfliegern, die im Extremfall kaum 25 Gramm auf die Waage bringen.

Dass Florian sich der Fliegergruppe Schorndorf angeschlossen hat, ist eigentlich nur logisch. Er wohnt in Remshalden , und da ist es nur ein kurzer Weg zum Modellflugplatz auf der Au. Florians „Spleen“ vom Hallenfliegen, steckt natürlich auch einige andere Vereinsmitglieder an, und so ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich die Fliegergruppe Schorndorf um eine Halle bemüht, um gemeinsam mit ihm zu fliegen. So kommt es im Winter 2008/2009 zur ersten Winter-Hallensaison in der Brühlhalle in Schornbach, von der wir schon in der letzten Vereinszeitung Nr. 15 berichteten.

Florians Basteltalent und Fleiß ist es zu verdanken, dass schon bald die meisten Flieger in der Halle aus seiner „Zeichenfeder“ stammen, oft noch mit der Airbrush-Pistole detailliert und liebevoll bemalt. Manches Kunstwerk ist dabei. Fast schon zu schön zum Fliegen. Für sich selbst entwickelte Florian eine Doppeldecker-Konstruktion, die er in Hinblick auf einen möglichen Wettbewerbseinsatz zeichnet und unterdiesen Bedingungen testet.

Im Sommer 2009 ist erst einmal Fliegen auf der Au angesagt. Auch für Florian und sein großes Kunstflugmodelle. Hin und wieder, wenn es einmal windstill ist, packt er dann auch ein kleines Leichtschaummodell aus Depron aus, das er in seiner Freizeit entwickelt hat. Das Thema läßt ihn auch im Sommer nicht los.

Im Oktober 2009 beginnt für Florian und den Verein endlich wieder die lang ersehnte Hallensaison in der Brühlhalle in Schornbach. Florian erfährt, dass die nächste Deutsche Indoor-Meisterschaft in Schlierbach, keine 30 Kilometer entfernt von Schorndorf, im März stattfinden wird. Der Entschluss ist sofort gefasst: Daran will er unbedingt teilnehmen.

Die Halle in Schornbach ist zwar schön, aber klein. Zu klein, um wirklich ein Kunstflugprogramm zu trainieren, dass bei Wettbewerben gefordert ist. Er erzählt Andy Kauer und Norbert Kappes von seinem Plan, aber auch von dem Problem mit der zu kleinen Halle für ein gezieltes Training. Norbert nimmt Kontakt mit dem Schulamt auf, in der Hoffnung auf Verständnis für die Problematik zu finden und die Möglichkeit zu bekommen, zumindest für die Zeit bis zur Deutschen Meisterschaft im März, in einer größeren Halle trainieren zu dürfen.

Die Leiterin für Sport und Vereine der Stadt Schorndorf, Melanie Abele, hört sich das Anliegen an und ist bereit, uns zu helfen. Wir dürfen in die Karl-Wahl-Halle an der Schlichtener Straße. Zumindest während der Weihnachtsferien und für ein paar Sonntagvormittage bis Anfang März. Super!

Viel Zeit bis zum ersten Trainingstermin am 23. Dezember ist nicht mehr. Florian baut mit Hochdruck an einer Wettbewerbsversion seines Doppeldeckers mit zwei Querruderservos, um die Probleme bei Rollen durch Differenzierung der Querruder in den Griff zu bekommen. Der Versuch schlägt fehl. Der Doppeldecker will nicht sauber durch die Rollen gehen.

Statt mit der Familie das Fest zu genießen, verschanzt sich Florian in der Werkstatt und stellt bis zum nächsten Trainingstermin am 27.Dezember ein neues Modell mit geänderter Geometrie auf die Mini-GFK-Räder. Ohne Erfolg. Der Doppeldecker will nicht. Die Enttäuschung ist groß.

Zeit ist nicht mehr viel. Der März naht mit Riesenschritten und es ist kein konkurrenzfähiges Wettbewerbsmodell in Sicht. Es muss schnell etwas her, auch wenn er es nicht selbst konstruiert hat. Florian bestellt schon am nächsten Tag zwei Manta V3 von Markus Zolitsch, einem anerkannten Experten der Indoor-Szene. Sie kommen noch vor den Neujahrstagen. Es ist nicht viel Zeit verloren.

In einen der beiden Mantas baut Florian die Elektronik seines Doppeldeckers ein. Er will ihn als sein Trainingsmodell nutzen. Mit dem anderen Manta hat er mehr vor. Er soll mit absolut wettbewerbstauglichen Komponenten ausgestattet werden, etwa mit einem Mfly-Motor mit ultraleichtem Kohlefaser-Gehäuse. Jedes Gramm weniger ist wichtig, wenn man konkurrenzfähig sein will, und so werden auch die Flügel und der Rumpf an allen möglichen Stellen ausgefräst, um sie zu erleichtern.

Zwischendurch wird in der Karl-Wahl-Halle mit dem anderen Manta das Flugprogramm für die Meisterschaft unter Anleitung von Andy trainiert, der ihm jede Menge Tipps aus seinen eigenen Erfahrungen aus jahrelanger Wettbewerbsfliegerei geben kann. Die beiden sind ein gutes Gespann.

Im Januar wird die Elektronik für den Wettbewerbsmanta geordert und das Modell vorbereitet. Viel Zeit hat er nicht. Florian ist auch noch Schüler und muss sich für fünf Klassenarbeiten fit machen und auch noch zwei Vorträge vorbereiten.

Aber drei Wochen vor der DM in Schlierbach ist auch der Wettbewerbsmanta fertig. Nur noch drei Trainingseinheiten sind mit dem Modell möglich, um die Feinheiten abzustimmen. Florians Ziel: Er will bei der DM nicht letzter werden, besser noch ein Platz im Mittelfeld. Doch davon wagt er kaum zu träumen.

5. März 2010: Die Deutsche Meisterschaft in Schlierbach beginnt mit einem freien Training am Abend. Florian ist hochmotiviert, konzentriert, aber auch nervös. Jede Menge Teilnehmer sind nach Schlierbach gereist. Alles, was Rang und Namen hat, sogar Piloten aus dem Ausland wie Gernot Bruckmann (Österreich), Johannes Kolks (Belgien), Adam Vomberg (Ungarn) und Donatas Pauzuolis (Litauen).

6. März 2010: Heute wird es ernst. Zwei von drei Durchgängen stehen an. Loopings, Rollen, halbe und ganze kubanische Achten, doppelter Immelmann, halbe Rollen aufwärts, Rückenflug und Torquerollen sind nur einige der vielen Kunstflugfiguren, die in einem zwei bis drei minütigen Zeitfenster möglichst fehlerfrei geflogen werden müssen. Fünf Punkterichter bemühen sich für möglichst objektive Beurteilung. Florians behält die Nerven. Sein erster Flug ist weitestgehend fehlerfrei. Nach dem ersten Durchgang liegt er auf Platz zwei mit nur wenigen Punkten Rückstand auf den ersten Max Als. Was für ein Erfolg! Florian will im zweiten Durchgang alles noch besser machen. Andy versucht Florian ruhig zu stimmen. Auch der zweite Durchgang gelingt mit wenigen Abstrichen fast fehlerfrei. Hinter Max Als ist Florian auch im zweiten Durchgang sicherer Zweiter. Der Abstand vergrößert sich zwar etwas, aber zum Dritten Platz ist mittlerweile reichlich Luft. Florian kann sich glücklich schätzen. Viel kann nicht mehr schief gehen.

7. März 2010: Heute, am Sonntag ist „nur“ noch ein Durchgang zu fliegen. Da von insgesamt drei Durchgängen nur die besten zwei Ergebnisse zur Wertung herangezogen werden, kann Florian im letzten Turn einiges riskieren. Fast wäre es ein perfekter Flug geworden, wenn nicht Florian seinen Flug gedanklich bereits beendet hätte, als er noch zur letzten Torquerolle ansetzte, die er glatt versemmelte. Aber dieser Patzer konnte seinen zweiten Platz zum Glück nicht mehr gefährden. Zu gut waren die ersten beiden Durchgänge gelungen. Und so darf Florian seine Platzierung, von der er bisher nie zu träumen wagte, Deutscher Vizemeister der Klasse F3P-B 2010 zu sein, mit nach Remshalden nehmen.

Die Fliegergruppe Schorndorf gratuliert ihm herzlichst zu diesem großartigen Erfolg.


Ergebnisse (die ersten 8):

1. Max Als 2000,00 Punkte
2. Florian Seybold 1948,26 Punkte
3. William Kiehl 1912,96 Punkte
4. Jan Hagmann 1826,19 Punkte
5. Ignas Matulericius 1739,48 Punkte
6. Tobias Arndt 1634,66 Punkte
7. Danyl Pylaev 1632,00 Punkte
8. Ugar Alkan 1618,66 Punkte